Einführung
Adolf Hildebrand galt seit 1880 bis zum Ende des 1. Weltkriegs als der bedeutendste
Bildhauer Deutschlands, als der deutsche Gegenspieler zu dem 7 Jahre älteren
Rodin, den er bewunderte, aber zugleich mit Argumenten kritisierte, die an die
Wurzeln jeglicher Kunstauffassung rührten. Beide vertraten die Abschaffung
des Zuviel an Gegenständlichem, auch an Psychologischem in der plastischen
Auftragskunst; beide zielten, als sie mühelose Meisterschaft erlangt hatten,
auf Form- und Gegenstandsreduktion, freilich auf sehr verschiedene Art. Denn Hildebrand
kämpfte für die klare, klassische und vollendete Formung eines Werkes,
vor allem der menschlichen Gestalt, die ihm - wie Goethe - das vornehmste Thema
der Kunst war; eine Formung, in der das, was dargestellt werden soll, ohne jedes
überflüssige Detail voll anschaulich wird. Wo irgend möglich, versuchte
er die Einbindung eines plastischen Werks in eine grössere Ganzheit, was
ihn schliesslich zur künstlerisch und städtebaulich vollendeten Platzgestaltung
führte. Rodins Reduktion dagegen zielte, bei Absage an thematische Direktheit
und Genauigkeit, auf den Torso, das Nonfinito, das Suggerieren anstelle von eindeutiger
Aussage, schliesslich zu Montagen von Körperfragmenten. Gegen Rodins nur
die Einzelwirkung bedenkenden subjektiven Expressionismus stand Hildebrands objektiv
durchdachte Gestaltung einer Ganzheit.
In Deutschland wurde Hildebrands Wirken stilbildend, nicht nur, aber vor allem
für die Münchner Skulptur und die Platzgestaltungen der Stadt. Das änderte
sich, als die Wirren der Nachkriegszeit und die grossen Umbrüche des 20.
Jahrhunderts Rodins innovative künstlerische Versuche in den Vordergrund
treten liessen, Hildebrands Werk dagegen und sein Wille zum Schaffen zeitloser
Kunst in den Hintergrund rückten. Heute sieht man Anlass, sich auf seine
Prinzipien neu zu besinnen.
Leben und Arbeit
Geboren wurde Hildebrand in Marburg als fünftes von acht Kindern des Nationalökonomen
Bruno Hildebrand. Dieser hatte mit 14 Jahren seine Ausbildung selbst in die
Hand genommen, war nach dem Studium von Philosophie, Geschichte und Philologie
mit 27 Jahren Professor für alte Geschichte an der Universität Breslau
geworden, wurde zwei Jahre später als Ordinarius für Staatswissenschaften
an die Universität Marburg berufen, war als Führer der Liberalen Partei,
dort von einem Hochverratsprozess bedroht, in die Schweiz geflohen, wurde Professor
an der T.U. Zürich, wo er ausser einer Leih- und Sparkasse auch das erste
schweizerische Eisenbahnunternehmen gründete und leitete, ebenso wie er
es später von der Universität Jena aus in Thüringen ins Werk
setzte. In diesem Elternhaus wurde dem Sohn das Nachdenken und das Diskutieren
über Philosophie und die Grundprobleme jeder Tätigkeit zur Selbstverständlichkeit.
Der Vater ließ seinen Sohn ebenso selbständig sich entwickeln, wie
er es getan hatte. Adolf hat das Wanderleben seiner Eltern von Marburg nach
Bern, dann Zürich und zurück nach Deutschland - Jena - in seinen Jugenderinnerungen
geschildert. Sechzehnjährig begann er eine anderthalbjährige Ausbildung
an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg, die er jedoch gelangweilt verliess,
um sich in München selbständig weiterzubilden. Dort hatte er Ende
1866 ein Vierteljahr lang einen Arbeitsplatz im Atelier des Münchner Bildhauers
Caspar von Zumbusch, der später Hofbildhauer in Wien wurde. Zumbusch -
damals 36 Jahre alt - nahm ihn 1867 mit auf eine Studienreise nach Italien.
In Italien
In Rom lernte Hildebrand den zehn Jahre älteren Maler Hans von Marées
kennen und durch ihn den sechs Jahre älteren Juristen und Philosophen Konrad
Fiedler, mit dem ihn später eine enge Freundschaft verband. Das Zusammentreffen
dieser drei Männer war eine Sternstunde für die Kunst. Der intensive
Gedankenaustausch zwischen Ihnen führte den noch von keinem Vorurteil belasteten
Hildebrand zu jener wohlbegründeten Kunstauffassung, mit der er den formal
ausufernden Tendenzen seiner Zeit entgegentrat. Fortan bezeichnete er sich selbst
als den Schüler von Marées, "dem allein er seine künstlerischen
Anschauungen verdanke". Die Darstellungsregeln von Marées, die sich
so genau wohl erst in diesem Dreiergespräch formten, wurden zum Teil auch
die von Hildebrand. Angeleitet von Marées war er überzeugt, von
den alten Meistern der Antike und der Renaissance mehr lernen zu können
als von Zumbusch. So blieb er nach dessen Abreise allein für anderhalb
Jahre in Rom und bildete sich von nun an weitgehend autodidaktisch in seinem
Handwerk, vor allem dem Steinhauen, aus. Es folgte ein von langer Krankheit
unterbrochener, fast dreijähriger Aufenthalt in Berlin. In dieser Zeit
war er gelegentlich mit kleinen Aufträgen im Atelier von Siemering beschäftigt.
Fiedler, der Hildebrand anfangs unterstützte, und durch ihn zum lebenslangen
Mäzen von Marées wurde, gab ihm 1870 den ersten Auftrag: ein Porträt
und eine Figur nach eigener Wahl, die heute als "Der trinkende Knabe"
in der Nationalgalerie in Berlin steht. Der Bronzeguss dieser Figur führte
Hildebrand wieder nach Italien: Venedig, Florenz und schliesslich Neapel zurück.
Dort fertigte er im Auftrag des ihm befreundeten Zoologen Anton Dohrn, der soeben
- 1873 - die Zoologische Station in Neapel ins Leben gerufen hatte, den zeichnerischen
Entwurf für die Fassaden des neuen Instituts, später auch für
den Erweiterungsbau.
Damals veranlasste Hildebrand die Ausmalung des Bibliotheksraumes der Station
durch Marées. Als Gehilfe und Mitarbeiter wirkte Hildebrand mit an diesen
bedeutendsten deutschen Fresken des 19. Jahrhunderts. Von Hildebrand wurden
ausser der gemalten, die Fresken rahmenden architektonischen Gliederung des
Raumes und dem Figurenfries (Grisaille) unter der Decke auch die vor den gemalten
Exedren aufgestellten überlebensgrossen Gipsbüsten der berühmten
Antagonisten der menschlichen Entwicklungslehre Charles Darwin und Ernst von
Baer sowie der heute verlorene steinerne Fries der Kaminumrahmung gearbeitet.
An diesem Werk hat Hildebrand nicht nur die Freskentechnik gelernt sondern auch
die Lust am Malen. Sie blieb ihm neben der Bildhauerei und dem Interesse an
den künstlerischen Problemen des Städtebaus und liess ihn nicht nur
die eigenen Häuser sondern auch die von Freunden mit teilweise noch erhaltenen
Fresken versehen.
Noch im Jahre 1873 glückte Hildebrand mit Hilfe des Vaters der Kauf und
die Einrichtung des aufgelassenen Klosters San Francesco di Paola nahe der Porta
Romana in Florenz. Hier wollten er und Hans von Marées gemeinsam wirken.
Zunächst lebte auch Conrad Fiedler mit ihnen zusammen. Nach der Trennung
von Marées und der Heirat mit Irene Schäuffelen blieb Hildebrand
für zwanzig Jahre in San Francesco. Er lebte zunächst von Porträt-
und kleineren Architektur- und Denkmalaufträgen und arbeitete ständig,
meist ohne Auftrag, an frei erdachten Aufgaben und Möglichkeiten bildhauerischer
Gestaltung. Es entstanden dort 16 seiner schönsten, nicht durchweg erhaltenen
Einzelfiguren, 15 Reliefs, 84 Porträts, 3 Grabmale und einige kleinere
architektonische Arbeiten für Florentiner Freunde. An diesen Werken bildete
sich Hildebrand zur meisterlichen Beherrschung der Bildhauerei und ihrer künstlerischen
Probleme aus.
Die aus der Praxis gewonnenen Erfahrungen, die nach einer Wiederbegegnung mit
Marées (1885) bewusst einsetzende Auseinandersetzung mit dessen Gestaltungsregeln
und die Diskussion mit Fiedler führten zur Entstehung von Hildebrands heute
wieder beachteter Schrift "Das Problem der Form in der bildenden Kunst".
Fiedler, einer der bedeutendsten Analytiker von Kunstwerken und Künstlertätigkeit,
hat die wechselnden Bewusstseinsbildungen und -formen und die recht verschiedenen
Weltaneignungen durchdacht, zu der unterschiedliche Tätigkeiten die Menschen
führen können. Er hat so als gleichberechtigt neben der wissenschaftlichen
Welterkenntnis die Leistung des bildenden Künstlers Schritt für Schritt
dargelegt, wie sie - auf Grund der besonderen, visuell erkennen wollenden Begabung
aus unbestimmten Wahrnehmungen der uns umdrängenden Wirklichkeit nach Klärung
verlangend - zu "Gesichtsvorstellungen" und schliesslich zu der körperlichen
Aktion der Hand führt, welche diese noch immer ungenauen Vorstellungsbilder
zu sichtbarer Klarheit und - in immer entwickelteren Ausdrucksmitteln - zum
Reichtum der vielen Möglichkeiten künstlerischer Formung führt.
Fiedler veranlasste Hildebrand, die für das plastische Gestalten maßgeblichen
speziellen Stufen der Bewusstseinsbildung des Bildhauers darzulegen. Und Hildebrand
zeigte in seiner Schrift - aus Selbstbeobachtung - wie es von der Stufe der
Gesichts- und Formvorstellungen zur künstlerischen Form der Realisierung
kommt und welche praktisch-künstlerischen Folgerungen aus den wahrnehmungsphysiologischen
und wahrnehmungspsychologischen Vorgängen für sein Kunstmetier zu
ziehen sind. Die Entstehung der Schrift wurde ständig begleitet von der
Erprobung der Erkenntnisse in der Praxis. Sie hat die Formung der von da an
entstehenden Skulpturen nochmals einigen Veränderungen unterworfen (Einzelfiguren
und Reliefs).
In Deutschland
Den Anlass, aus der langjährigen Florentiner Isolierung herauszutreten,
gab nicht nur die erste Dalmatien- und Griechenlandreise sondern vor allem der
grosse Wettbewerb für ein Denkmal des Kaisers Wilhelm I in Berlin. Dieses
sollte zugleich das Nationaldenkmal des seit 1871 geeinten deutschen Volkes
werden. Hildebrand entwarf dafür in einjähriger Arbeit und unter Beteiligung
des jungen Architekten Emanuel la Roche ein Modell. Es war sein erstes grösseres
architektonisches Projekt und wie ein vorweggenommenes Programm seines eigentlichen
Arbeitsziels. Das Werk sollte ebenso Hildebrands Ideal: einen den Besucher ganz
umschliessenden, kuppelüberwölbten Zentralraum verwirklichen, wie
auch ein Werk schaffen, in dem Architektur und Skulptur eine Einheit bilden.
Die Skulptur sollte nicht nur als Schmuck figurieren, sondern der Architektur
eine Sinnschicht hinzufügen, die wiederum von der Architektur Rahmen und
Bedeutungssteigerung erfährt. Hildebrand hatte den Standort für das
Denkmal nach stadtkünstlerischen Gesichtspunkten festgelegt.
Von dieser Zeit an spielte bei allen seinen Planungen dies "künstlerische
Weiterbilden einer gegebenen Situation", wie er es nannte, eine wichtige
Rolle. Immer hatte er, selbst bei der Aufstellung von Einzelfiguren, ein grösseres,
womöglich raumübergreifendes Ganzes im Blick. Das unterschied ihn
schon damals von den meisten Zeitgenossen und führte auch zu dauerhaft
anerkannten Lösungen. Den ersten öffentlichen Beweis dieser besonderen
Begabung konnte Hildebrand 1889 bei der Mitwirkung an dem von der Stadt München
ausgeschriebenen Wettbewerb für den später "Wittelsbacher"
genannten Brunnen erbringen.
Anlass dazu war der Abschluss der Arbeiten an der Erneuerung der städtischen
Wasserleitung. Seine Skizze wurde zur Ausführung bestimmt. Als Bedingung
war an den Auftrag geknüpft, dass Hildebrand mit zweitem Wohnsitz nach
München übersiedelte.
Nun begann für den Vierzigjährigen der zweite grosse Lebensabschnitt
mit zahlreichen, jedoch nicht internationalen, Aufträgen und Ehrungen,
darunter die Verleihung des erblichen Adels. Das Werk des unermüdlich Tätigen
war umfangreich. Neben vielen nicht zur Ausführung gekommenen Projekten
entstanden nach dem Wittelsbacher Brunnen 8 öffentliche, darunter 5 monumentale
Stadtbrunnen und 6 Parkbrunnen für private Auftraggeber; ferner 15 Denkmale
sehr unterschiedlicher Ausmaße, davon 2 Reiterdenkmale; 38 Grabmale und
zu den schon in der Florentiner Zeit gefertigten 84 plastischen Porträts
noch 166 (bisher bekannte) weitere. 1901 wurde Hildebrand zum Mitglied der von
Prinzregent Luitpold ins Leben gerufenen Monumentalbaukommission in München
gewählt und als oft maßgeblicher Ratgeber bei zahlreichen Bauvorhaben
des Staates und der Stadt herangezogen. Vor allem der kunstsinnige Kronprinz
Rupprecht konsultierte ihn stets. Er wurde nach Fiedlers frühem Tod der
bevorzugte Freund und Briefpartner Hildebrands.
1906 wurde Hildebrand gebeten, die Leitung der Bildhauerklasse der Münchner
Kunstakademie zu übernehmen. Er nahm die Aufgabe an, um Schüler in
der in Kapitel V seiner Schrift dargelegten "meisterlichsten und wahrhaft
künstlerischen Form" der Steinarbeit auszubilden. Das wurde möglich
durch eine Sonderregelung: Hildebrand verzichtete auf das Gehalt, erhielt jedoch
eine Summe für Steinmaterial, und die Akademie stellte ihm ein Steinatelier
im Akademiegebäude zur Verfügung. Er durfte sich seine Schüler
aussuchen und hatte keine festgelegte Anwesenheitspflicht. Nach einem leichten
Schlaganfall, den er 1910 erlitt und in dessen Folge er nicht mehr in Stein
arbeiten konnte, gab er diesen Posten auf.
Die letzten Jahre seines Schaffens waren durch den ersten Weltkrieg vielfach
beeinträchtigt. Zwar musste der 67-jährige nicht mehr aktiv daran
teilnehmen, doch verhinderte der Krieg die Ausführung zahlreicher Entwürfe
und steigerte die Arbeitskosten. Den grossen Umbrüchen der Nachkriegszeit,
den Kunstanschauungen der neuen Avantgarden, die die Kunst des ganzen 20. Jahrhunderts
auf neue Wege führten, konnte er sich nicht mehr stellen. So verlor sein
Werk das Interesse der nächsten Generationen. Am Ende sagte der 70-jährige,
bescheiden, als er eine der frühesten der berühmten mittelalterlichen
Christus-Johannesgruppen aus der Zeit um 1290 sah: wenn er diese Art von Kunst
gekannt und etwas in dieser Art gemacht hätte, wäre er ein grosser
Bildhauer geworden.
"Das Problem der Form in der bildenden Kunst".
Auf Hildebrands gedankendichte Schrift "Das Problem der Form in der bildenden
Kunst" wurde schon im Kapitel über sein Leben hingewiesen. Dem Kunsthistoriker
Heinrich Wölfflin, der die Schrift genau las und der sie als "erfrischenden
Regen auf dürres Erdreich", bezeichnete, genügte ein einziger,
lapidarer Satz, um ihren Inhalt zusammenzufassen: "Das Kunstwerk muss augengerecht
sein". Nach diesem Buch - so Wölfflin - seien viele seiner Hörer
überzeugt, dass sie für ihr Kunstverständnis eine neue Basis
suchen müssten. Auch viele Bildhauer stimmten zu. Die wichtigsten Gedanken
daraus seien hier zur Schärfung des Blicks auf Hildebrands künstlerische
Ziele und entsprechend geformte Werke dargelegt.
Hildebrand hat nach der damals neuesten Wahrnehmungstheorie diejenigen Wahrnehmungsvorgänge,
die für Bildhauer und ihre besondere Aufgabe, das Werk augengerecht zu
machen, von Belang sind, ausführlich analysiert, unterstützt durch
das ständige Gespräch mit Fiedler. Er wies u.a. hin auf den Unterschied
zwischen zwei Arten des optischen Erfassens eines Gegenstandes: das aus der
Nähe und das aus der Ferne. Die Dreidimensionalität eines Objektes
wird nur durch das Umschreiten und/oder durch das Abtasten der plastischen Einzelheiten
aus grosser Nähe erfasst. Auch unser Auge ist dann mit seinen Tasteigenschaften
tätig.Der Bildhauer, der die so ertasteten Einzelformen zu einer Gesamtformvorstellung
verarbeiten muss, hat noch anderes zu leisten als der Maler. Für diesen
ist der Umriss entscheidend, wenn er seinen dreidimensionalen Gegenstand augengerecht,
wie für Fernsicht, machen will. Für den Betrachter von Skulpturen,
vor allem im öffentlichen Raum - wo sie nicht zum Umschreiten und Bewundern
als ästhetische Objekte aufgestellt sind - ist die Fernsicht die übliche.
Hier arbeitet das Auge anders: es sieht einen oder mehrere Gegenstände
nicht völlig dreidimensional sondern reliefhaft. In diesem reliefhaften
Fernbild sind nur die für das Erkennen wesentlichen Züge einer Figur,
unter Wegfall von mancherlei nicht unbedingt notwendigen Details, wie zu einem
Bild zusammengeschlossen. Dieser Eigenart hat der Bildhauer gerecht zu werden.
Er muss statt der in der Nahsicht erfaßbaren, detailreichen, ja oft unübersichtlichen
Daseinsform einer Figur die plastische Wirkungsform von Denkmalen oder Reliefs
auf Plätzen, in Parks, auch im privaten Bereich und in Museen, finden und
herstellen. Er muss alles vermeiden, was das Werk dem Fernblick verunklärt.
Er muss vermeiden, dass eine Vielfalt von Bewegungen, ausladenden Gesten, verunklärenden
Überschneidungen, auch unnötig Schatten werfenden Vor- oder Rücksprüngen
den Eindruck verwirrt. Kurz: die Umwandlung einer Daseinsform in eine Wirkungsform
ist die Aufgabe des Künstlers.
Die Wirkungsform ist reliefhaft, bildhaft: wenn der Bildhauer dieser wahrnehmungsphysiologischen
Tatsache unseres Sehapparats folgt, muss er manche plastischen Details seiner
Figuren entsprechend flacher machen. Wie sieht aber dieses Flachmachen bei der
Komposition einzelner Figuren aus? Manche zu sehr in den Raum vorstossende Rundung
(Schulter, Gelenk) muss flacher, manche Bewegung weniger ausladend gestaltet
werden als ihre Daseinsform ist. Auch wird das Flacherwerden dadurch erreicht,
dass die Vorstellung während der Arbeit stets einen gedachten, unsichtbaren
Raumblock beachtet, dem sich die Figur einordnet und über dessen Grenzen
sie nirgends hinausragt. Dieser unsichtbare Raumblock kann vom Betrachter dann
sogar als der zur Figur gehörige Raum erlebt werden.
Für Hildebrand lag die künstlerische Bedeutung und eindrucksstarke
Wirkung der von ihm genau studierten alten griechischen und Renaissancebildwerke
darin, dass das durch den begrenzten Steinblock bedingte Verfahren - das von
Michelangelo eindringlich in einem Sonett beschriebene schichtweise Heraushauen
der Figur aus dem Stein, als tauche sie aus einem ganz langsam abgelassenen
Wasser auf - durchweg eingehalten war. Er sah daher auch die Steinbildhauerei
als das vornehmste Verfahren für einen Bildhauer an. Es setzt die genaueste
Konzeption, die präzise Vorstellung von der Form des Werks, also die eigentliche
künstlerische und das heisst geistige Leistung voraus. Erst danach kann
der Künstler mit den Händen diese ständig visuell ihm vorschwebende
Arbeit ausführen. Ein Kapitel von Hildebrands Schrift ist allein der Steinarbeit
gewidmet. Dies alles lehren zu können, war der einzige Grund für die
Annahme der Professur in München. Die Kunstkritik spottete über die
"Reliefauffassung": eine flachgemachte Rundfigur sei soviel wie hölzernes
Eisen. Spätere Voreingenommenheit wies bei manchem seiner Werke fast nur
auf das reliefhaft Gestaltete, z.B. im Wittelsbacher und im Straßburger
Brunnen. Man sah in ihnen nur eine Erfüllung von Hildebrands eigenen theoretischen
Forderungen und übersah die plastische Wucht und Fülle der zwar in
der Gesamtkomposition für Fernsicht angelegten, aus der Nähe aber
kraftvoll und rundplastisch geformten Einzelgruppen, ebenso wie die stets in
den Raum ausgreifende und ihn gestaltende Komposition seiner städtebaulich
wohlüberlegten Brunnen-, Denkmal- und Platzanlagen.
Die Bedeutung der Schrift "Das Problem der Form ..."
Der heutige Leser kann, mehr als 100 Jahre nach Erscheinen der Schrift, die
besondere Leistung Hildebrands erkennen. Sie besteht - ausser in dem schon Angedeuteten
- darin, dass seine an Fiedler orientierte Analyse des künstlerischen Schaffensprozesses
die geistleibliche Vielschichtigkeit jeglicher und also auch der künstlerischen
Tätigkeit zeigt. Diese erweist sich als ein stufenweiser Aufbau aus organisch
bedingten, psychologischen und geistigen Prozessen, die erst die Umsetzung und
die vom Künstler zu leistende Neuformung optischer Eindrücke zum Kunstwerk
ermöglicht. Er hat, freilich ohne es so genau zu formulieren wie wir es
heute mit anders ausgerichtetem Denken können, erstmals den festen Ort
und die differenzierte Verankerung der "Kunst" in einer Seinsordnung
aufgewiesen, in der Naturgesetzlichkeiten unsere seelische und geistige Tätigkeit
steuern. Kunst und künstlerische Tätigkeit galt Hildebrand nie als
Luxus sondern als ein dem Menschen eingeborenes Bedürfnis. Er hat gezeigt,
dass ihr Ort in der menschlichen Natur fassbar ist.
Indem er mit Fiedler darauf wies, dass die seinsmässige Grundlage für
alle Gattungen der Kunst die gleiche ist, war nun auf neuer Bewusstseinsebene
der jahrhundertelange, nicht nur theoretische Streit um den Vorrang der Künste
gegenstandslos geworden. Sie alle erwachsen aus Formvorstellungen, die sich
aus unseren Erfahrungen mit der Natur in und ausser uns bilden und vom Künstler
zu einer neuen Ganzheit geeinigt werden, ehe er mit der jeweils seinem Metier
entsprechenden Verwirklichung beginnt. In solcher Einordnung der Kunst in menschlich
organische Lebensvorgänge bedeutete die Einbeziehung der Aufnahmefähigkeit
des Betrachters in den Gestaltungsvorgang (zwecks "Augengerechtigkeit")
gleichfalls Neuland. Sie führte damals in der Tat zu einer Kunst, die sich
auf grössere Einfachheit und tektonisches Denken besann. Diese wahrnehmungspsychologische
Seite seiner Theorie kann heute als der erste, nicht unwichtige Schritt gesehen
werden, hin zu jenen Künstlergruppen, die mit der Interaktion zwischen
Werk und Betrachter sogar ein monochromes Bild eines Künstlers als Vehikel
einer gesteigerten Sensibilität für die Beziehung sieht, die es selbst
mit Wand, Boden und Licht aufnimmt und von deren Beschaffenheit es beeinflusst
ist; die andererseits den Betrachter je nach dessen Beschaffenheit oder Situation
in sich verändernde Beziehung zum Werk eines Künstlers setzt. Auf
eben dieser Beziehung zu ihrer Umgebung beruhte die Qualität und Einmaligkeit
der Schöpfungen Hildebrands, was vielleicht heute ein sensibilisiertes
Publikum neu zu sehen und zu verstehen lernt.
Einzelfiguren
Florentiner Zeit
Die 14 erhaltenen Einzelfiguren Hildebrands, die nicht - wie in der Reife- und
Spätzeit - in grössere Zusammenhänge eingeplant, sondern als
einzelne erdacht und ausgeführt wurden, stammen aus der Zeit des weitgehend
autodidaktischen Lernens und Erprobens in Florenz. Bereits die ersten, der trinkende
Knabe (Bronze) und der schlafende Hirtenknabe (Marmor), beide 1870-72, dann
der selbstvergessen stehende junge Mann (Marmor, Berlin, Nationalgalerie 1881-84),
wie auch die Brunnenfigur des Wasser ausgiessenden Jünglings, sind überlegt
durchkomponiert und von grosser Perfektion. Beim Umschreiten dieser fein modellierten
Knabenkörper zeigen sich von verschiedenen Seiten her überraschend
sich wandelnde Ansichten bei stets völlig eindeutig klaren Umrissen und
einer Vielfalt von teilweise ganz leisen Achsenverschiebungen. Sie entsprechen
dem jahrhundertealten Ideal einer "von allen Seiten" gleich schönen
Figur.
Die Formung dieser und aller späteren Figuren ging von drei Prämissen
aus, von den Forderungen, die Hildebrand in den Diskussionen mit den Freunden
Fiedler und Marées vor den Kunstwerken Roms als unabdingbare Voraussetzungen
für die Vollkommenheit eines Kunstwerks erkannt hatte.
1.) galten die von Marées in diesen Gesprächen gefundenen Gestaltungsregeln
für den Aufbau eines Bildes oder Reliefs auch für die allseits klare
plastische Darstellung des ruhigen wie des bewegten Körpers und seiner
Ponderationsprobleme. Letztere konnten die Freunde auch anhand von Leonardos
Anweisungen und aufschlussreichen Skizzen in seinem Malereitraktat studieren.
Dieser wurde damals durch einen weiteren Freund, den Maler Ludwig in Rom, erstmals
ins Deutsche übersetzt und mit ihnen besprochen.
2.) stellte Fiedler die Forderung auf, dass die Formung einer Figur bis ins
Kleinste nur das anschaulich zu machen habe, was dargestellt werden soll, bei
den beiden frühen Werken also der tiefe Schlaf des Hirtenknaben und das
intensive, stille Schlürfen des Trinkenden, beim Stehenden die Selbstvergessenheit.
Beim Betrachter dürfe weder ein Vorwissen der mythischen oder historischen
Bedeutung des Dargestellten vorausgesetzt, noch dürfe ihm eine auf werkfremden
Assoziationen oder auf allerhand kunstvollem Beiwerk beruhende emotionale Bewunderung
entlockt werden.
So zeichnen sich alle, auch die späteren Menschengestaltungen Hildebrands
in weitgehender Unverhülltheit ohne schmückendes Beiwerk durch die
stille Intensität aus, mit der sie - in selbstvergessenem, länger
dauerndem Innehalten befangen - sich mit voller Konzentration ihrem Tun hingeben:
dem Trinken, dem vorsichtigen Tragen oder Ausgiessen eines Gefässes. In
den späteren, Seelisches stärker veranschaulichenden Darstellungen
Musizierender, ist es das Aufsteigen der Töne aus dem Inneren und ihr Erklingenlassen
im Instrument. Beispiele sind der Genius Hohenlohe, die Gitarristin des Joachim-Denkmals,
der Marsyas, die Cellospielerin auf dem Grab eines Freundes. Zu Recht wurde
Hildebrand von dem Enkel Wolfgang Braunfels als Künstler der Stille bezeichnet.
3.) kamen nach den ersten sprachlichen Formulierungen seiner Gedanken zum "Problem
der Form" bei Hildebrand für die Fertigung seiner Figuren die Folgerungen
hinzu, die er aus der Reliefauffassung eines Fernbildes und der "Steinarbeit"
zog. Damals (1885) schuf er, noch in Florenz, drei Figuren, die diese Konsequenzen
deutlich veranschaulichen sollten: Merkur, Kugelspieler und Philoktet.
Oft haben diese Einzelfiguren nur etwa 3/4 Lebensgrösse. Hier zeigt sich
bereits der antimonumentale Zug des Bildhauers im Gegensatz zu der damals schon
aufkommenden Tendenz zu national auftrumpfender Monumentalität der Darstellungen
und Denkmale des neuen Kaiserreichs.
Münchner Zeit
Nun entstanden Figuren und Reliefs nur noch nach Aufträgen, vor allem für
die grossen Brunnen, aber auch für Grabmale, eingebunden in deren Architektur.
Jetzt konnte Hildebrand frei und souverän mit den in der Florentiner Zeit
errungenen Einsichten und Fähigkeiten umgehen. Als Cosima Wagner während
der Entstehung des Hubertusbrunnens (1903) zu ihm sagte, dass er immer freier,
immer phantasievoller in seinen Arbeiten werde, erwiderte er ernst: Der Respekt
vor der Form habe ihn früher gebunden. Es erging ihm wie Dürer, der
nach Abschluss seiner "13 Bücher der menschlichen Proportion"
schrieb: " Aber so Du wol messen hast gelernt ... als dann ist nit allweg
not ein jeglich Ding allweg zu messen... als dann ist die geübt Hand gehorsam."
Die späten Figuren Hildebrands, vor allem die für Musiker-Male geschaffenen,
wie der Leier spielende Genius für den Fürsten Hohenlohe, aber auch
die letzten, die lebensvollen Figuren für die Aussennischen des Hubertusbrunnens
(Alter Jäger), zeigen die selbstverständliche, jedoch nie zur Manier
gewordene Meisterschaft des grossen Bildhauers, der bis zuletzt für jeden
neuen Auftrag, jeden neuen Standort, die diesem allein angemessene Form suchte
und fand.
Reliefs
Aus der Florentiner Zeit Hildebrands sind 25 weitgehend unbekannte mehrfigurige
Reliefs erhalten. Sie befinden sich zum Teil noch im Florentiner Haus. Aus der
Münchner Zeit, in der er zu seinem Bedauern nie einen grösseren Reliefauftrag
erhielt, haben sich 12 erhalten. Sie sind in architektonische Denkmal- oder
Grabmalaufträge eingebunden. Auch die frühen Reliefs bezeugen, wie
seine frühesten Einzelfiguren, eine vollkommene Beherrschung dieser Kunstgattung.
Auch in ihnen ist sichtbar befolgt, was Hildebrand aus dem Studium alter Kunst
und aus den von Marées durchdachten und von seinem Schüler Pidoll
überlieferten Regeln lernte. Diese Regeln sind bei Esche-Braunfels nachzulesen.
Hildebrand hat von Anfang an auf sehr eigenständige Weise Marées´
Lehren ins Plastische umgesetzt und im Relief vollkommener gearbeitet, als die
meisten Zeitgenossen. Vor allem hat er auch die Regel eingehalten, dass die
Rahmenebene von keiner Figur nach vorn hin durchstossen werden darf, dass vielmehr
der Raum und alle Bewegung in ihm sich von vorn nach dem Hintergund hin entwickeln
muss.
Sehr schnell beherrschte Hildebrand auch alle Arten und Feinheiten der Reliefausarbeitung,
vom Hoch- bis zum Basrelief. Dabei boten ihm seine zahlreich ausgeführten
Porträtreliefs - von der angelehnten Büste über die Dreiviertelseitenansicht
wiederum bis zum Basrelief - ein lehrreiches Übungsfeld (Porträts).
Wie Marées´ Bilder aus der gemeinsamen Zeit zeigen die Florentiner
Reliefs oft und gerne Paarbeziehungen, gelegentlich sogar zwischen Tier und
Mensch (Ledarelief; Marmor, Dresden). Im Gegensatz zu der viel strengeren Tektonik
Marées´scher Kompositionen zeichnen sie sich durch die Musikalität
der kompositionellen Linienführung aus. Einen Höhepunkt seiner Reliefkunst
und der durchdachten Komposition bildet das Amazonentriptychon (1887/88 München,
Neue Pinakothek und Köln, Wallraf-Richartz-Museum). Es entstand nach einer
Griechenlandreise Hildebrands, die in ihm den Wunsch nach "bewegteren mehrfigurigen
Sachen mit Pferden" erweckte. Ihm wird das humorvolle kleine Gipsbozzetto
(Privatbesitz) mit der erschreckten Flucht der Menschen und Faunen vor dem Nilpferd
vorangegangen sein. Eines der schönsten Beispiele der in Denkmale eingebundenen
Reliefs ist das Marmorrelief des, wie in Inspiration vom Schreibtisch aufblickenden
Schiller im Schillerdenkmal (Nürnberger Stadtpark).
Porträts
Hildebrand zählte zu den besten Porträtisten seiner Zeit. Von ihm
stammen 250 eigenhändige Porträts, 84 davon sind Porträtreliefs.
Bedeutende Forscher (Helmholtz, Pettenkofer, Boveri), Erfinder (Siemens), Industrielle
(Duisberg), Fürsten (Kaiser Wilhelm II, Bismarck, Angehörige des Hauses
Wittelsbach), Künstler und Musiker (Brahms, Clara Schumann, Cosima Wagner,
Joseph Joachim) und viele andere liessen sich von Hildebrand porträtieren.
Sein Schüler und Mitarbeiter Erwin Kurz schilderte die Reliefkunst Hildebrands
anhand von zwei Porträtreliefs: "Unglaublich ist Hildebrands Vollendung
im Relief... Am Bronzerelief des Prinzregenten ist das Unbegreifliche, wie in
dem Profil das ganze Face drinliegt. Man liest alle Modellierung vom Ohr ab
bis zur Nase, die ganz im Hintergrund verschwindet, während das Nasenloch
tiefer als der Hintergrund liegt. Beim Siemens ist es gerade umgekehrt, hier
liegt die Nase so hoch wie das Ohr und alles ist durch die Silhouette gegeben.
Bei jedem neuen Relief findet Hildebrand eine neue Behandlungsart, entsprechend
dem Vorwurf." Charakteristisch ist auch, dass Hildebrand das Reliefporträt
zwar konventionell, nach klassizistischem Vorbild, meist mit kurzem Halsabschnitt
abschloss, diesen aber nie wie mit der Guillotine geschnitten, sondern einfühlsam,
dem Gesamtcharakter des jeweiligen Porträts entsprechend, formte. Alle
diese, auch an den Porträtbüsten zu entdeckenden Feinheiten der Erfindung
und Modellierung sind nur vor dem Original wahrzunehmen; das Foto kann sie nicht
wiedergeben. Keines seiner Bildnisse zielt auf die Erfassung eines nur vorübergehenden,
wenn auch noch so reizvollen Ausdrucks, wie es damals modisch wurde. Keines
verrät eine ganz persönliche Handschrift oder Manier. Schärfe
und Objektivität der Persönlichkeitserfassung kennzeichnen selbst
die Darstellungen ihm sehr nahestehender Menschen. Allen impressionistischen
oder gesteigert expressionistischen Tendenzen setzte er seine ruhigen Seinsformen
entgegen, die Darstellung des existenziellen Ernstes des jeweils Porträtierten.
(Julia Brewster 1880, Köln, Wallraf Richartz Museum). Er gab ihre Bildnisse
als Fakten, als Dokumente ihres Daseins, durch dessen Individualität hindurch
auch ein Allgemeines sichtbar bleiben sollte. Seit seiner Nürnberger Lehrzeit
gaben Porträts ihm Anlass zur Konfrontation seiner Formideale und Formgedanken
mit der Natur. Von Anfang an bedachte er bei ihrer Gestaltung auch den Ort ihrer
Aufstellung. Entsprechend formte er den Büstenabschnitt. Er erfand passende
Sockel, die stets anders, aber immer schlicht und zuweilen mit feinen Verzierungen
geformt waren. Bei Grab- und Denkmalaufträgen ergriff er stets die Gelegenheit,
das Porträt zum Brennpunkt eines seine Wirkung steigernden architektonischen
Rahmens zu machen. Auch hier wiederholte sich seine Erfindungsgabe nie. Bei
der Aufstellung eines Porträts im Familienkreis oder der Einfügung
in einen schmalen Wandpfosten sorgte er dafür, dass die Würde des
Bildnisses als Dokument gelebten Lebens und gestaltender Kunst durch einen je
eigenen Rahmen aus der ungeschützten und ungestalteten Umgebung herausgehoben
wurde. (Altersporträt Irene Hildebrand 1911).
Das geschah durch unterschiedliche Rahmen- oder Tondoformung des Steins, in
den das Hochrelief oder die Dreiviertelansicht oder das Profil eingehauen war.
Brunnen
Neben den frühen Einzelfiguren und dem "Problem der Form" hat
nichts Hildebrand solchen Ruf eingetragen, wie seine 5 grossen Stadtbrunnen.
Der Wittelsbacher Brunnen (1890-95)"der Festeingang zur Stadt München"
(Wölfflin), "eine einzigartige Verbindung von Architektur, Landschaft,
Wasserflut und Städtebau...eine Anlage, die nur in Rom ihresgleichen hat"
(Hohoff) und der Hubertusbrunnentempel (1895-1919) sind seine beiden Hauptwerke.
Sie befinden sich in München. Die Straßburger Brunnenanlage (1897
- 1902) mit der Figur des Flussgotts über den Kaskaden und den reizvollen
seitlichen Puttengruppen, ist nach ihrem Stifter Reinhard benannt und befindet
sich heute auch in München. Für Worms entstand der Siegfriedbrunnen
(1895 - 1914). Der Kölner Rheinbrunnen (1911- 1922) ist vom Krieg zerstört.
Hildebrands Bedeutung als Brunnenschöpfer erwuchs aus seiner Begabung,
Form und Grösse der Figuren und das reiche Wasserspiel aus den Gegebenheiten
des öfter selbstgewählten Standorts zu entwickeln. Dieser war ihm
Ausgangspunkt oder mitwirkender Hintergrund, der einbezogen und zu gesteigerter
Wirkung gebracht werden konnte. So geschah es beim zweigeschossigen Wittelsbacher
Brunnen am Ende des alten Stadtwalls vor einem eben erst entstehenden Platz.
So war es auch bei dem gleichfalls zweigeschossigen Straßburger Brunnen
auf dem leeren grossen Platz vor dem Theater und beim Wormser Brunnen, der mitten
in der Stadt zwischen dem romanischen Dom und einem neoromanischen Stadthaus
steht. Sein Wasser fliesst aus dem vom Drachentöter gekrönten Brunnenhäuschen
(in romanisierendem Stil) in einen ersten Ring, dann über sieben schmale
Kaskadenstufen in einen zweiten, grösseren Ring und von ihm in ein tieferliegendes
Becken, in das man über sieben mal drei Stufen hinabsteigen konnte. Der
Hubertusbrunnentempel war einbezogen in die grosse Platz- und Terrassenanlage
mit dem Reiterstandbild des Prinzregenten Luitpold vor dem eben erbauten Bayerischen
Nationalmuseum. Der Kölner Brunnen schliesslich erwuchs aus dem Gedanken,
ihn vor die alte Stadtmauer zu setzen unter Einbeziehung des Stadtgrabens. Auch
hier wieder hatte Hildebrand aufmerksam und bewusst aus all den Formen und Wasserspielen
alter Brunnenanlagen gelernt und doch jedesmal ein neuartiges Werk geschaffen.
Im Unterschied zu den üblichen Arbeitsgemeinschaften zwischen Bildhauern
und Architekten, in denen der Bildhauer meist nur die Plastik, der Architekt
Basis, Schale, Unterbau, Figurensockel und architektonische Details schuf, hat
Hildebrand stets selbst das Ganze einschliesslich jeder Einzelform der architektonischen
Partien entworfen und in schliesslich oft originalgrossen Modellen eigenhändig
modelliert und festgelegt. Für den Hubertusbrunnen ist dies schriftlich
belegt. Er zog zwar Architekten als beratende Mitarbeiter für Statik oder
Installation und für die technisch genauen Eingabebezeichnungen heran,
liess es sich aber nicht nehmen, kritisch bis zuletzt in die Herstellung einzugreifen.
Von den 5 Monumentalbrunnen stehen nur der Wittelsbacher und der Wormser noch
am alten Ort. Letzterer ist durch ein nicht geplantes, einengendes Gitter und
moderne Nachkriegsarchitektur beeinträchtigt, ersterer durch die teilweise
Zerstörung und Ergänzung der grossen männlichen Figur auf dem
Wasserpferd. Der Straßburger Brunnen wurde nach dem ersten Weltkrieg von
der Franzosen abgetragen, konnte aber - allerdings ohne die schöne Balustrade
des grossen Beckens und ohne den monumentalen archtektonischen Hintergrund,
der die Überlebensgrösse der Flussgottfigur erforderte - auf einer
Münchner Isarinsel wieder aufgebaut werden. Den Hubertusbrunnen liess Hitler
von seinem Platz entfernen. Er steht heute, dem Nymphenburger Schloss gegenüber,
am Ende des Nymphenburger Kanals, weitab von seinem ursprünglichen Standort
(an der Kulturmeile Münchens). Mancherlei nicht zur Ausführung gelangte
Entwürfe für Brunnen sind erhalten. Von den 6 teilweise sehr originellen
Parkbrunnen für private Auftraggeber, existieren nur noch Reste. 2 einfache
Marktbrunnen (in Jena und Bergisch-Gladbach) zeigen, wie Hildebrand auch für
die Bedürfnisse kleiner Städte, in denen die Bürger ihr Wasser
noch am Marktbrunnen holten, die rechte Form, die rechte Grösse und die
rechte Stelle zu finden wusste.
Denkmale und Grabmale
Hildebrand hat 15 Denkmale entworfen, darunter 2 Reiterdenkmale. Mit Ausnahme
von dreien, die durch den Ausbruch des ersten Weltkriegs nicht mehr zustande
kamen, wurden alle unter seiner Aufsicht ausgeführt. Von seinen 38 nachweisbaren
Grabmalen sind nur 8 nicht erhalten, doch kennen wir 4 von diesen durch Abbildung
, Modell oder Zeichnungen. Hildebrands Denkmale ebenso wie seine Grabmale mit
ihrer verwandten Absicht, einen Ort der Erinnerung zu schaffen, sind bestimmt
durch seine Vorliebe für eine mit der landschaftlichen Umgebung verbundene
oder in sie eingegliederte Gestaltung.
Das Reiterstandbild des Prinzregenten Luitpold (1903-1909) mit dem Regenten
im Mantel der Hubertusritter auf einem ruhig schreitenden Passgänger war
ursprünglich wohlüberlegt verbunden mit der grossen Anlage des Hubertusbrunnentempels
vor dem weitläufigen Bau des Nationalmuseums. Es war zwischen zwei Treppen
des Terrassenaufgangs in der Achse des hinter ihm liegenden Tempels placiert.
In der heutigen Aufstellung ist dieser Zusammenhang verloren. Das Reiterstandbild
Bismarcks steht noch heute auf seinem hohen, an den Maßen des Bremer Doms
orientierten Sockel an der von Hildebrand gewählten Stelle. Es ist am Beginn
des Domhofs, neben der Domfassade, zwischen Dom und einem angrenzenden, reichgeschmückten
Bau des 19. Jahrhunderts, eindrucksvoll postiert.
Da Hildebrand monumentale Denkmalstatuen inmitten von verkehrsumbrausten Plätzen
widersinnig erschienen, trat er oftmals für sinnvollere Stellen an Platzrändern
und ruhigen Orten ein. Er fertigte dafür und auch für Wanddenkmale
Entwürfe. Während des 1. Weltkriegs dazu aufgefordert, machte er bemerkenswerte
Vorschläge für Gefallenenmale an Orten der mörderischen Schlachten
des ersten Weltkriegs.
Vor allem die Grabaufträge zwangen ihn zur Auseinandersetzung mit den
vielen verschiedenen Grab- und Denkmalformen, die er in Städten und auf
Friedhöfen vorfand. Schliesslich gestaltete und variierte er die von ihm
bevorzugten Formen immer einfacher und freier: die lebens- und überlebensgrosse
Porträtherme, die Stele, das Wandgrab, dann die an die Wand gelehnte kleine
Säulenhalle, das gewölbte, auch mit Kuppel versehene Mausoleum. Er
verband endlich alle diese Formen mit der platzgestaltenden Exedraanlage mit
Bänken, ja sogar mit kleinen Brunnenbecken, die auch inmitten andersartiger
Umgebung einen eigenen kleinen Bezirk zu sinnendem Gedenken und Gesprächen
ausgrenzt. Sein Oeuvre zählt 12 solcher Exedraanlagen, darunter als erste
das Otto Ludwig-Denkmal, dann das Brahmsdenkmal im Park des Herzogs von Meiningen,
das feine Schillerdenkmal im Nürnberger Stadtpark, das Siemensdenkmal.
Zu diesem Typ gehören auch die Grabmale für den Dirigenten Bülow
in Hamburg und das Mausoleum für den Philosophen Martius in Kiel, das in
einer Nische des Innern eine ebenfalls von Hildebrand stammende Pieta als Denkmal
für zwei gefallene Söhne des Philosophen birgt und an den Exedraflügeln,
die den kleinen Kuppelbau rahmen, zwei Reliefs, links die Parzen, die den Lebensfaden
abschneiden, rechts Charon, der in seinem Kahn die toten Söhne in den Hades
schifft.
Nicht allein die Vielfalt der sorgfältig erdachten Formen der Grabmale
beeindruckt. So einfach sie sind, heben sie sich auf Friedhöfen doch aus
den umgebenden Malen durch ihre maßvolle Grösse und Proportionierung
ab, auch durch eine stille Noblesse. Einige, zum Beispiel das Grabmal des Forschers
Abbé in Jena, zeigen, dass Hildebrand nicht nur die Kunst des Figurenreliefs
beherrschte, sondern auch die des architektonischen: die ästhetisch wirksame
differenzierte Schichtung einer Wandfläche. Die Grabkapelle für den
berühmten Augenarzt Herzog Carl Theodor in Bayern besteht in einem Anbau
an den Chor der Tegernseer Kloster-, damals Schlosskirche. Sie ist, bei allen
dem Auftrag auferlegten Schwierigkeiten und trotz der kompromissreichen Lösung,
mit der würdigen Grabtumba für die Liegefigur des Herzogs ein Beispiel
für die stets bereitwillige Anpassung des Bildhauers an komplizierte Situationen.
Auch hier ging seine Sorgfalt bis zum zeichnerischen Entwerfen kleiner Ausstattungsstücke
wie Altar und Hostienkelch. Stets entwarf er für Grabmale auch die vorgesehenen
Gitter.
Architektur
"Gewisse architektonische Neigungen von mir basieren auf den Eindrücken
meiner Jugendzeit in der Stadt Bern mit ihrer grossen architektonischen Schönheit
und ihrem Situationsreiz." (Hildebrands Jugenderinnerungen). "Ich
gebe mich jetzt am meisten noch mit den ganzen Bauten ab. Ein Palast, wie er
gebaut, dekoriert, das Arrangement im Ganzen ... Ich sehe recht ein, dass nur
ein Maler oder Bildhauer Architekt sein kann ..." (Brieftagebuch der ersten
Italienfahrt 5.1.1867).
"Ein ganz elementarer Trieb muss Hildebrand früh zur Baukunst hingetrieben
haben. Ihre Probleme ... liessen ihn nicht mehr los bis in die letzten Jahre...
er musste sich mit ihnen beschäftigen, weil es der Formtrieb seiner Natur
so verlangte. Wo er von irgendeiner fruchtbaren (architektonischen) Aufgabe
hörte, beschäftigte er sich damit und als sein Einfluss wuchs, versuchte
er häufig ihn geltend zu machen und irgendeine Lösung durchzusetzen,
in den meisten Fällen vergebens." (W.Riezler im Nachruf auf Hildebrand
1921).
Julius Meier Graefe, berühmter Kunstschriftsteller, Veröffentlicher
und Herausgeber der Werke und Briefe von Marées, der Hildebrand in vielem
kritisch gegenüberstand, formulierte lapidarer: "Hildebrands Besitz
ist der eines Baumeisters ..., eines bewundernswerten Baumeisters ... Der Münchner
Hubertustempel ist ein Juwel der Architektur ... Als man im Jahr 1898 Hildebrands
Entwurf für das Kaiserdenkmal (Leben) ablehnte, brachte man die Hauptstadt
um die vielleicht einzige Gelegenheit, eine würdige Monumentalarchitektur
zu erhalten, die womöglich das Schicksal Berlins in glücklichere Bahnen
gelenkt hätte. Man sieht mit Recht einen Anschluss an die alte Schinkeltradition.
Der Anschluss wäre glücklicher gewesen als alle Versuche Messels,
der das Notwendige und Zündende in der Verbindung der Fläche mit der
Plastik nur ahnte und die Plastik indifferent behandelte."
Zwischen diesem Modell für das Kaiser Wilhelm-Denkmal und dem Hubertustempel
liegt der ganze Weg von Hildebrands Enttäuschungen auf einem Gebiet, für
das er, bei aller natürlichen Begabung, nicht fachmännisch ausgebildet
war und auf dem man ihm darum keinen öffentlichen Auftrag geben wollte.
Zwar hatte ihm der Zoologe Dohrn, selbst ein kreativer Dilettant auf architektonischem
Gebiet, die Fassadengestaltung seiner zoologischen Station in Neapel anvertraut,
hatten einige Florentiner Bekannte kleine architektonische Aufträge erteilt.
Aber auch nach den so gut beurteilten Kaiserdenkmal-Entwürfen konnte Hildebrand
nur noch seine zwei eigenen Häuser und das des Dirigenten Levi in Partenkirchen
und später kleinere Mausoleumsprojekte nach seinen eigenen Vorstellungen
ausführen. Hierher gehören die Mausoleen für den Dirigenten Levi
in Partenkirchen, für Wilding in Heidelberg, für Schnitzler in Klink/Mecklenburg
(zerstört), für Martius in Kiel und für den Herzog Carl Theodor
in Bayern (alle genauestenes untersucht von Peter Pinnau). In dem "Juwel"
des Hubertusbrunnens schliesslich konnte Hildebrand einen seiner Lieblingsgedanken:
die vollkommene Vereinigung von Architektur, Plastik, Stadtraum und Natur verwirklichen.
Aus der Zeit zwischen dem Kaiserdenkmal-Entwurf und dem Hubertusbrunnen sind
zahlreiche Zeichnungen und Pläne erhalten, die meist auf Grund von Wettbewerben
entstanden waren. Es sind u.a. Planungen für Berlin, darunter ein architektonisches
Mozartdenkmal, für den Bismarckturm auf der Rottmannshöhe bei Starnberg,
für eine Kunsthalle an der Alster in Hamburg, für einen Bibliotheksbau
hinter seinem Wormses Siegfriedbrunnen und eine Reihe von schönen Vorschlägen
für einen Abschluss des Münchner Hofgarten-Tiefparterres nach Süden,
für die Schackgalerie und Erweiterungen für die Pinakotheken in München,
Theaterpläne für Stuttgart und München, für ein Wiener Theater
und der Entwurf für ein Münchener Marées-Museum, sogar ein
wohldurchdachter Entwurf für ein Weltausstellungsgebäude und für
zweigeschossige Strassenanlagen von erstaunlich modernem Sinn für neue
Entwicklungen.
Freilich spielte Hildebrands Rat in der Monumentalbaukommission in München
eine wichtige Rolle. Öfter auch hat er sich, teils aufgefordert, teils
unaufgefordert in Zeitungen und Zeitschriften zu aktuellen städtebaulichen
Maßnahmen geäussert. Diese Artikel sind mit anderen wichtigen Aufsätzen
in den von Bock 1969 und 1988 herausgegebenen gesammelten Schriften Hildebrands
veröffentlicht. Seine ca. 13 Aufsätze zu architektonischen Fragen
sind heute noch lesens- und beherzigenswert. Auch im 21. Jahrhundert nicht veraltet
sind zum Beispiel "Über moderne Städte und die künstlerische
Frage", "Vier Fragmente über Architektur", "Einiges
über die Bedeutung von Grössenverhältnissen in der Architektur",
"Zum Fall Hildebrand", der eine Kritik des Konkurrenzwesens ist, und
schliesslich "Die Besteuerung von Kunstwerken".
Literatur
1.) Zum Gesamtwerk
Heilmeyer Alexander: Adolf von Hildebrand (Werkverzeichnis mit 116 Tafeln und
kurzem Vorwort von Günther Jachmann) München 1922
Bäumler Alfred: Adolf von Hildebrand, Handzeichnungen (Mappe mit 36 Faksimiles
und Einführung) München 1923
Hausenstein Wilhelm: Adolf Hildebrand, München-Pasing 1947.
Hohoff Kurt: München. 3. Auflage 1979. Darin über A. v. Hildebrand
S. 240-45.
Nuzzi Cristina in: Katalog der Ausstellung Arnold Böcklin e la cultura
artistica in Toscana (Marées, Hildebrand, Klinger, Stauffer Bern, Welti),
Fiesole 1980.
Esche-Braunfels Sigrid: Adolf von Hildebrand (Monographie des Gesamtwerks,
671 S., 1074 Abb., 1176 Anm.) München 1993. Hier ist weitere Literatur
und ihr Inhalt angegeben und charakterisiert, vor allem die wichtigen Monographien
zu Einzelwerken Hildebrands und zu Werkgruppen. Diese Monographien enthalten
ausführliche Literaturverzeichnisse mit weiterführenden Publikationen.
2.) Zu Schriften Hildebrands
Adolf von Hildebrand: Gesammelte Schriften zur Kunst, bearbeitet und mit Einführung
versehen von Henning Bock. Wissenschaftliche Abhandlungen der Arbeitsgemeinschaft
für Forschung des Landes Nordrhein Westfalen, Bd. 39, Köln und Opladen
1969, 2. Auflage 1988. Hier sind alle Vorstufen, Fassungen und Ausgaben von
"Das Problem der Form in der bildenden Kunst", sowie nachträgliche
Aufsätze Hildebrands und Konrad Fiedlers Bemerkungen dazu veröffentlicht,
ferner Hildebrands Jugenderinnerungen, sein Nachruf auf Marées und seine
zahlreichen Aufsätze, mit Ausnahme einiger früher Tagebuch- und Reisenotizen,
die sich in Skizzenbüchern finden.
Dazu kritisch:
Bock Henning: Problematische Formtheorie. In Beiträge zur Theorie der
Künste im 19. Jahrhundert. Bd. 2. Frankfurt 1972.
Geissler Joachim: Die Kunsttheorien von Adolf Hildebrand, Wilhelm Truebner
und Max Liebermann. Ein Beitrag zur Geschichte der Kunstliteratur in Deutschland.
Dissertation Heidelberg 1963.
Neckenig Franz Josef: Das Problem der Form- und Inhaltsreduktion im künstlerischen
Schaffen und theoretischen Denken deutscher Plastiker und der Marées-Nachfolge.
(Adolf von Hildebrand und Artur Volkmann . Die historische Bedingtheit eines
künstlerischen Phaenomens zwischen 1870 und 1910). Dissertation. Berlin
1982.
Ranfft Erich G.: Adolf von Hildebrands "Problem der Form" and his
"Front" against Auguste Rodin. Thesis, Queens University, Kingston,
Ontario, Canada 1990.
Kehr Wolfgang: Adolf von Hildebrands Problem der Form. Ein Impuls für
Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik. In: "Zwischen Welten. Adolf
von Hildebrand, Person, Haus und Wirkung", München 1998.
3.) Zu Briefen
Jachmann Günter (Herausgeber): Adolf von Hildebrands Briefwechsel mit
Konrad Fiedler. Dresden o. J. (1927).
Sattler Bernhard (Herausgeber): Adolf von Hildebrand und seine Welt. Briefe
und Erinnerungen. München 1962.
4.) Zur Persönlichkeit
Curtius Ludwig: Deutsche und antike Welt. Kapitel V. Stuttgart 1958. (Curtius
war Hauslehrer bei Hildebrands Sohn).
Bauer Franz J.: Bürgerwege und Bürgerwelten. Schriften der historischen
Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bd. 43, Göttingen
1991. Familienbiographische Untersuchungen zum deutschen Bürgertum im 19.
Jahrhundert. (Behandelt die Familien Dohrn - Hildebrand - Sattler. Über
Adolf von Hildebrand S. 192-222.)
Kehr Wolfgang und Rebel Ernst: "Zwischen Welten. Adolf von Hildebrand,
Person, Haus und Wirkung", München 1998, anlässlich einer Foto-Ausstellung
im Hildebrandhaus in München, mit Beitrag von W. Rebel "Adolf von
Hildebrand in München, Zeitgenössische Wahrnehmungen zu Person und
Haus".
Nachlass
Die umfangreiche briefliche Korrespondenz Hildebrands befindet sich in der Handschriftenabteilung
der Bayerischen Staatsbibliothek in München, Gipsoriginale, auch einige
Abgüsse von Werken werden in der Neuen Pinakothek und im Stadtmuseum in
München verwahrt. Die 52 Skizzenbücher, zahlreiche Zeichnungen und
Pläne, Fotos und kleinere Schriften zum Umkreis, sowie Dokumentationen
aus dem Umkreis Hildebrands bewahrt das Architekturmuseum der Technischen Universität
München. Dieser Zeichnungsnachlass ist in EDV inventarisiert. Der grösste
Teil von Hildebrands Zeichnungen befindet sich noch in Privatbesitz, vor allem
seiner Nachkommen (siehe die Dissertation von G. Brüggen-Rechberg), sowie
im Kunsthandel. Nur etwa 50 sind in öffentliche Sammlungen gelangt.
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